Fraktion Kindergarten | Aargauischer Lehrerinnen- und Lehrer-Verband alv

Weltverstehen von Kindern – von Zeichen, Symbolen, Mustern und Phänomenen“

Bericht über die Weiterbildungsveranstaltung der FHNW PH IWB vom 2. April 2011 in Aarau, in Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden VAK und PLV


Wie kommen Kinder dazu, die Welt mit ihren Symbolen, Mustern und Phänomenen zu verstehen? Welche Erfahrungen und Erkenntnisse benötigen sie für ihre Entwicklung und Bildung? Welchen Anteil können oder müssen Kindergarten und Schule dazu beitragen? Ausgehend von diesen Fragen organisierte das Institut Weiterbildung und Beratung der PH in Aarau in Kooperation mit den Berufsverbänden VAK und PLV die Tagung „Weltverstehen von Kindern – von Zeichen, Symbolen, Mustern und Phänomenen“.

  • Prof. Pia Hirt MonicoProf. Pia Hirt Monico

Frau Prof. Pia Hirt Monico, Leiterin des Instituts Weiterbildung und Beratung der PH in Aarau, begrüsste am Samstag, 2. April, rund zweihundertfünfzig Teilnehmende in der Aula der Gewerbeschule in Aarau zu dieser Veranstaltung. Nach einem Einstiegsreferat konnte aus einer reichhaltigen Workshop-Palette mit Theoriekonzepten, Unterrichtsmodellen und konkreten Unterrichtsideen ausgewählt und weitergearbeitet werden. Die Figurentheaterspielerin Margrit Gysin begeisterte mit ihren feinen und leisen szenischen Inszenierungen über das kindliche Lernen.

  • Barbara Scheuzger, Präsidentin VAKBarbara Scheuzger, Präsidentin VAK

  • Claudia Lauener, Präsidentin PLVClaudia Lauener, Präsidentin PLV

Mit dem Hinweis auf das Projekt „Stärkung der Volksschule“ und den damit verbundenen geplanten Änderungen oder Öffnungen im Kindergarten in den Bildungsbereichen Sprache und Mathematik, spannte Barbara Scheuzger, Präsidentin VAK, den Bogen zur aktuellen bildungspolitischen Diskussion im Aargau.

Claudia Lauener, Präsidentin PLV, freute sich vor allem auf den Schwerpunkt Naturwissenschaft. Einerseits hätten naturwissenschaftliche Impulse einen starken Einfluss im Leben, andererseits wird dieser Bereich noch viel zu wenig im Schulalltag beachtet.

  • Karin FreyKarin Frey

  • Prof. Dr. Charlotte RöhnerProf. Dr. Charlotte Röhner

Wie entwickeln Kinder Wissen?
„Uns interessiert der Anfang, auf den es so sehr ankommt“ meinte Karin Frey und gab das Wort an die Hauptreferentin der Tagung, Frau Prof. Dr. Charlotte Röhner, weiter. Die Professorin für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Pädagogik der frühen Kindheit und der Primarstufe an der Bergischen Universität Wuppertal begann ihre Ausführungen auch am Anfang – mit ausgewählten Erkenntnissen aus der Säuglingsforschung. Sie zeigte auf, wie bereits in den ersten Lebensmonaten die Aneignung der Welt durch die handelnde Auseinandersetzung mit der Umwelt beginnt und wie früh Fähigkeiten entwickelt werden, um Bilder und Symbole zu verstehen, zu deuten und zu nutzen. An konkreten Beispielen erläuterte sie, wie Lehrpersonen mit entwicklungsangemessenen Lernangeboten Kinder unterstützen und fördern können.

  • WorkshopWorkshop

Handeln und Erleben in den Workshops

Handelnd Zugänge zu Naturphänomenen finden, die Bedeutung von frühen schriftsprachlichen Erfahrung erfassen, Erfahrungen mit Schrift ermöglichen, Muster und mathematische Strategien entdecken, die frühe Förderung von mehrsprachig aufwachsenden Kindern unterstützen und Raum und Struktur im Unterricht zur individuellen Aneignung von Weltwissen waren die Themen der weiterführenden Workshops.
Die konkrete Umsetzung und Einblicke in die gelebte Praxis präsentierten Absolventinnen des CAS „Bildung und Erziehung 4- bis 8-jähriger Kinder“. Die Angebote mit den Bezeichnungen „Mathematik für Kinder“, „Schrift entdecken in der Bibliothek und im Migros“, „Naturwissenschaftliche Experimente zu den vier Elementen“, „Mathematik klingt“ und „Kindergarten und Schule lernen voneinander“ machten die Wahl fast zur Qual, waren doch alle Workshops ausnahmslos spannend und gaben vielfältige Anregungen für den eigenen Unterricht.


  • ZusammenarbeitZusammenarbeit

  • ZusammenarbeitZusammenarbeit

 

Zusammenarbeit von Kindergarten und Schule
Eine weitere Möglichkeit das Tagungsthema zu vertiefen, bot das offene Gespräch mit Frau Prof. Dr. Charlotte Müller, Leiterin Institut Vorschul-/Unterstufe. In dieser Runde diskutierten Personen von der Aus- und Weiterbildung und Lehrpersonen von Kindergarten und Primarschule die Bedeutung und die Perspektiven des Kindergartens als erste Bildungsstufe. Anknüpfend an das Hauptreferat war einer der ersten Diskussionspunkte die anspruchsvolle Aufgabe, Entwicklungsrückstände von Kindern zu erkennen und die Frage, wie weit und wie diese aufgearbeitet werden können. Reicht das didaktische Wissen noch? Braucht es einen Perspektivenwechsel der Lehrpersonen, damit Kinder im Kindergarten und in der Schule mit ihren individuellen Voraussetzungen die Welt der Symbole, der Muster und der Phänomene erleben und verstehen können? Konkrete Lösungsansätze dazu wären Lernumgebungen. Als weiterer wichtiger Ansatz wurde die stufenübergreifende Zusammenarbeit angesprochen. „Der Stoff und das Wissen gehört nicht einer Stufe sondern den Kindern“, meinte eine Teilnehmerin der Runde. Da die Entwicklung der Kinder fliessend ist, wäre auch ein fliessender Übergang nötig. Für die Kindergartenlehrpersonen wäre hier vermehrt Handlungsbedarf. Die Primarlehrpersonen sahen eine mögliche Hürde darin, dass für sie die abnehmende Mittelstufe wegweisend sei und die Kapazität für eine intensivere Zusammenarbeit oft einfach nicht reichen würde. Schulleitungen bzw. Leitbilder könnten dabei eine Vermittlungsrolle zwischen den Stufen übernehmen. Formulierte Treffpunkte wären eine weitere Möglichkeit, dass der Anschluss zwischen Kindergarten und Schule besprechbarer würde.


Orientierungspunkte am Ende des Kindergartens
Das zweite Stichwort wird aktuell im Bildungsraum Nordwestschweiz bearbeitet. Vikor Brun, Leiter Sektion Organisation und Entwicklung in der Abteilung Volksschule BKS, informierte darüber, dass im Zusammenhang mit dem Lehrplan 21 Orientierungspunkte erarbeitet würden, die Mindestansprüche in Sprache und Mathematik am Ende des Kindergartens formulierten. Dabei soll es auch darum gehen zu prüfen, was unter den am Kindergarten zu vermittelnden Vorläuferfähigkeiten für den Erwerb der Erstlese-, Erstschreib- und Erstrechenkompetenzen (an der Primarunterstufe) zu verstehen ist und wie diese angemessen in die Orientierungspunkte eingebettet sind.

An einer Tagung am 22. Juni in Solothurn werden Kindergartenlehrpersonen aus den vier Nordwestschweizer Kantonen über diese Orientierungspunkte informiert und lernen Beispiele von Spiel- und Lernumgebungen kennen, in denen auf das Erreichen der Orientierungspunkte hingearbeitet werden kann. Die Erprobung im eigenen Unterricht und die spätere Teilnahme an der Evaluation sind die weiteren Absichten mit dem Ziel, die Orientierungspunkte Kindergarten verbindlich einzuführen.
  • Mimi und Brumm erzählten die WeltMimi und Brumm erzählten die Welt

 

Mimi und Brumm erzählten die Welt
„Alle Figuren sind ein Teil von mir selbst“, sagt Margrit Gysin über sich und ihr Figurenspiel. So liess sie in ihrem Spiel die beiden Figuren Mimi und Brumm wunderbare Geschichten erzählen über Wünsche, Vorstellungen und Sehnsüchte, die wahrscheinlich allen vertraut waren. Zauberhaft gelang es Margrit Gysin in ihrem Figurentheater „Komm, erzähl mit die Welt...“ die Wirklichkeit mit dem Spiel und die Ebene der Erwachsenen mit der Ebene der Kinder verschmelzen zu lassen. Die kleine Maus Mimi erzählte von ihrer Welt und hatte vielerlei Fragen und Ideen, um mehr von der Welt zu entdecken und zu verstehen. Brumm, der Bär, war ihr dabei der liebevolle und verständnisvolle Wegbereiter und –begleiter.

  • Susann Müller Obrist mit Margrit GysinSusann Müller Obrist mit Margrit Gysin

 

Auch Lehrpersonen erzählen mit der Art und Weise ihres Unterrichtens viel von sich selbst, wenn sie Kinder beim Entschlüsseln und Verstehen der Welt anregen. Die Tagung bot wertvolle Impulse aus Theorie und Praxis, die Welt von den Kindern aus zu sehen, damit sie auf ihrem Lernweg gut begleitet und unterstützt werden können.


  • Hauptreferat und Workshop-Unterlagen als Downloads finde Sie hier!


 
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